Der HbA1c-Wert verliert zum Glück immer mehr an Bedeutung. Ich weiß noch, das während meiner Kindheit und Pubertät alles an diesem Wert festgemacht wurde – meine Leistung und ich selbst bewertet wurden. Ich habe ihn immer gehasst diesen HbA1c-Wert, denn er war nie zufriedenstellend für meine Ärzte. Ähnlich wie mein BMI und die Zahl auf der Waage. Da wundert mich wirklich nicht, dass Menschen mit Diabetes anfälliger für Essstörungen sind. Diese ganzen Zahlen, die einen ständig begleiten, im Kopf herumschwirren und für manche noch immer Bewertungskriterien sind.
Doch viel wichtiger als ein super toller, niedriger HbA1c-Wert ist die Standartabweichung, die aussagt, wie sehr die Werte schwanken. Eine stabile Blutzuckereinstellung ist wichtig und auch wenig Hypos sollte man haben. Ist beides okay, kann man auch immer noch einen Blick auf das HbA1c werfen. Denn so ein Wert kann sich auch mit vielen Hypos und Schwankungen erkauft worden sein und dann bringt der tolle Wert eigentlich nichts!
Trotzdem möchte ich heute über meinen HbA1c-Wert sprechen.

Jahrelang war es für mich unvorstellbar ein vernünftiges HbA1c zu haben und abzunehmen. Das beides absolut möglich ist, habe ich jetzt gelernt. Von mir selbst. Meine letzte sechs vor dem Komma hatte ich im Jahr meiner Diagnose. Danach kam schnell die 7% und danach gab es kein Halten mehr. Im Alter von 14 bis 23 lag mein HbA1c wohl nie unter 8,0% und erreichte 2013 mit 13,9% seinen Höchstwert. Ich hatte mich in der Diabulimie verrannt und logisches Denken half schon lange nichts mehr. Doch auch nach meinem großen Erwachen schaffte ich es unter größter Mühe gerade ab und zu die 7,5% zu erreichen – inklusive Schwankungen und Hypos en masse.
Fünf Jahre später…

Doch jetzt, fast fünf Jahre später kann ich tatsächlich auf einen HbA1c-Wert von 6,4% blicken. Und das Beste ist: ich habe weniger Schwankungen und kaum Hypos. Dieser Wert ist also recht repräsentabel. Aber was für mich persönlich fast noch besser ist, ist dass ich zudem sportlicher geworden bin und abgenommen habe. Das beides zur selben Zeit geht: die Blutzuckerwerte verbessern UND abnehmen, wollte lange Zeit nicht in meinen Kopf. Heute weiß ich, dass es nicht unmöglich ist. Das ich mir bisher nur selbst im Weg stand. Denn wenn man sich mal wirklich zusammenreißt, dann ist beides absolut möglich. Leider ist es oftmals der eigene Kopf, der einem im Weg steht. So wie bei mir.
Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen

Ich bin so froh, dass ich von den ganzen schlechten Zeiten kaum Folgeschäden davongetragen habe. Heute denke ich manchmal, ich habe meinen Körper jahrelang so behandelt, als könnte ich ihn einfach austauschen, wenn er einmal abgenutzt ist. Wie ein Pullover. Bekommt der Alte Löcher, kauft man sich einen neuen. Heute blicke ich voller Reue auf die letzten Jahre zurück. Ich möchte meinem Körper zeigen, dass ich ihn mittlerweile wertschätze. Wie einen alten Freund, den ich jahrelang schlecht behandelt habe, der aber trotzdem noch an meiner Seite ist und dem ich nun beweisen möchte, dass ich auch eine gute Freundin sein kann. Freundschaft mit meinem Körper schließen. Das habe ich wirklich gebraucht. Nun möchte ich ihn einfach ein bisschen besser behandeln. Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Den richtigen Weg habe ich jedenfalls endlich gefunden und eingeschlagen und das fühlt sich großartig an!

Hallo Lisa, sehr beeindruckend was du schreibst. Ich denke jeder hat solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht. Meine Diagnose war 1988 und nach 2-3 J. war ich so angenervt von den ganzen Zahlen, Werten und Bewertungen, dass ich über 7 J.(!) überhaupt nicht mehr beim Arzt war und auch kein HbA1c mehr … Mein erster Wert 1998 nach der langen Zeit war eine 7,3 …. Aktuell übrigens 6,2 ☺Alles Gute, Sebastian
Hi Lisa,
und wie genau geht dieser Weg? Was genau muss man machen ?
lg
Michael
Hallo Michael, ich denke nicht, dass ich das so einfach beantworten kann, tut mir Leid. In diesem Beitrag geht es um die Dinge, die für mich persönlich immer unmöglich schienen: Den Diabetes und meine Essstörung zusammen in den Griff zu bekommen. Allgemein würde ich sagen, wenn man das für sich Unmögliche schaffen möchte, muss man herausfinden, was man schaffen möchte. Was man verändern möchte. Dann muss man herausfinden, wie man das am besten umsetzen könnte und dann muss man hart Arbeiten. An den Schrauben drehen, die dafür nötig sind. Leicht ist es nie, über den eigenen Schatten zu springen. Mir hat bei meinem Problem nur harte Arbeit und ganz viel Zeit geholfen. Therapie, Unterstützung, Motivation – der Wunsch es endlich ändern zu wollen.
Ich hoffe, ich konnte es trotzdem ganz gut erklären.
Liebe Grüße
Lisa