Ich esse gerne und ich liebe es mit Essen herumzuexperimentieren. Deswegen habe ich schon immer mal wieder andere Ernährungsweisen ausprobiert. Einfach aus purer Neugier und weil man dadurch zum bewussten Essen zurückkehrt. Man beschäftigt sich mehr mit seiner Ernährung, den Lebensmitteln und den Inhaltsstoffen, man entdeckt neue Zusammenstellungen und Geschmackserlebnisse, das finde ich toll.
Ein anderer Grund ist, dass ich manchmal dazu neige, unbewusst alles in mich hineinzustopfen. Tagelang, wochenlang, monatelang. Dann fühle ich mich wieder unheimlich unwohl und dick. Zugegeben, ich nehme in solchen Zeiten natürlich zu. Ich esse, wenn ich gestresst, frustriert oder traurig bin– oder wenn ich mich alleine fühle. Das Ganze fing damals mit ca. 18 Jahren an, warum, das weiß ich nicht. Ich nahm es lange Zeit so hin und wurde immer moppeliger, bis ich einen Schlussstrich zog und mein Verhalten änderte (und leider ins Insulin-Purging rutschte). Bis heute brauche ich die Phasen des bewussten Essens, um nicht wieder in dieses Verhalten zurückzufallen.

Here we go again..
Ende letzten Jahres war es dann wieder so weit. Ich hatte so viel Stress und so viel zutun, dass ich wieder wahllos Essen in mich hineinstopfte. Irgendwann, als ich schon keine Jeans mehr tragen mochte, entschloss ich mich dazu, wieder bewusster zu essen. Dieses Mal entschied ich mich vegan zu essen (Ich habe bereits mit vegetarischem und Low-Carb Essen Erfahrungen gesammelt). Es war Mitte November und ich wollte das Experiment bis Weihnachten durchziehen. Sogar mein Freund machte mit.
Warum entschied ich mich für die vegane Ernährung?

Ich arbeite momentan in einem jungen Unternehmen, dass vegane Deos verkauft und weswegen ich mich viel mit dem Thema beschäftige und auseinandersetze.
Aber auch schon vorher spukte mir der Gedanke immer mal wieder im Kopf herum. Es sollte zwar nur ein Ernährungsexperiment werden, aber dennoch gibt es viele Punkte, die tatsächlich für eine vegane Ernährung sprechen.
Wusstet ihr, dass man mit dem Getreide, welches wir an die Masttiere verfüttern, den Welthunger stoppen könnten?
Außerdem wird der Regenwald gerodet, um überhaupt so viel Futter für die Tiere anbauen zu können.
Würden wir nicht so viel Fleisch essen und nicht permanent volle Regale und ein lückenloses Angebot im Supermarkt erwarten, könnten wir die Massentierhaltung zurückschrauben.
Auch das ganze Wasser, welches für die Tiere und die Fleischproduktion verwendet wird, könnte ganze Völker vor dem verdursten bewahren.
Und natürlich die ganzen süßen Tiere…
Während meiner Pubertät war ich deswegen Vegetarierin und wollte eigentlich schon lange wieder damit beginnen. Fragt mich nicht, was mich so lange aufgehalten hat.
Die erste Woche vegan

Zu allererst habe ich mir natürlich ganz viele Informationen besorgt. Im Internet findet man ja haufenweise davon. Gerade hier fand ich Blogs total hilfreich. Bei Healthy Lena fand ich z.B. eine Einkaufliste für einen veganen Einkauf und viele Einsteigertipps. Auch bei Peta zwei findet man ein kostenloses Programm, das einen in den ersten Wochen begleitet, Tipps gibt und einen Haufen Informationen zukommen lässt.
Mit dieser Einkaufsliste habe ich mich dann auf in den Supermarkt gemacht. Dort haben wir sogar alles bekommen, was wir gesucht haben. Der allererste Einkauf war natürlich teurer als unser bisheriger Wocheneinkauf, aber es waren viele Dinge dabei, die wir erstmal einkaufen mussten, die sich dann aber lange halten. Sprich Gewürze, Getreidearten, Samen, Öle etc.
Die Einkäufe danach lagen preislich genauso, wie unsere Einkäufe vor der Umstellung.
Vegan essen – ist das schwer?

Nein! Mein Freund und ich entschieden uns dazu alle tierischen Produkte aus unseren Lebensmitteln zu verbannen. Die ersten Wochen kauften wir auch keine „Ersatzprodukte“ wie veganen Käse oder Wurst. Ich dachte gerade Käse würde mir fehlen, aber nach zwei Tagen war das absolut kein Thema mehr. Ich war erstaunt, wie leicht mir das alles fiel und das ich gar nichts vermisste.
Auch mein Freund, der eigentlich absoluter Fleischesser ist, vermisste nichts.
Unsere Brotaufstriche mache ich seitdem alle selbst. Meistens gibt es bei uns Humus, Möhrenpaste, Paprikapaste und Avocadocreme. Das reicht vollkommen.
Auch Frischkäse haben wir aus Sojamilch selbst gemacht. Mein Freund fand ihn ganz lecker, ich jedoch nicht.
Mittags kocht entweder mein Freund oder ich eine frische Mahlzeit. Als Fleischersatz nehmen wir manchmal Tofu und anstatt Milch und Sahne eben Soja- Mandel- oder Haferprodukte. Das geht wirklich ganz gut und auch hier vermissen wir nichts. Und schmecken tut es uns aus.
Abends gab es dann meistens wieder Brot oder einen leckeren Salat und viel Gemüse.
Was hat die vegane Ernährung verändert?

Eigentlich ziemlich viel, aber das meiste nimmt man im Alltag gar nicht bewusst als Veränderung war. Unser Einkaufsverhalten ist natürlich etwas anders geworden. 80% unseres Einkaufs ist schon in der Obst- und Gemüseabteilung erledigt. Wir müssen deswegen zwar etwas öfter einkaufen, damit alles frisch bleibt, die Einkäufe fallen dann aber natürlich kleiner aus.
Vegane Ersatzprodukte machen sich schon in der Geldbörse bemerkbar, aber man braucht sie gar nicht so sehr, wie man vielleicht vorher denkt. Hin und wieder ist das ganz nett, aber meistens kommt man auch ohne aus.
Wir kochen viel bewusster und es macht wieder mehr Spaß. Wir suchen zusammen nach Rezepten und sind extrem experimentierfreudig geworden.
So gab es schon vegane Döner, vegane Burger, veganen Kartoffelbrei und veganes Käsefondue. Alles natürlich selbstgemacht – und ziemlich lecker.
Besonders fiel uns auf, dass wir beide weniger Hunger zwischendurch hatten – und vor allem überhaupt keinen Hunger mehr auf süße Naschereien zwischendurch. Allgemein sind wir heute schneller und länger satt. Dadurch essen wir insgesamt weniger.

Mein Freund möchte schon seit einiger Zeit abnehmen und das klappt jetzt einfach wie von selbst.
Und auch bei mir hat sich etwas getan. Ich fühle mich etwas wohler in meinem Körper und habe ein paar Gramm verloren.
Ich glaube, ich bin einfach jemand, der so kleine Einschränkungen im Leben braucht. Sonst denke ich nicht weiter drüber nach und stopfe das Essen nur so in mich hinein.
Vegane Ernährung und Diabetes

Eine Sache, die uns wohl alle beschäftigt: Was machen die Blutzuckerwerte bei einer veganen Ernährung? Na, was sollen sie schon machen? Bei mir hat sich erstmal nichts verändert. Meine Werte waren so, wie sie auch zuvor waren. Erst als ich merkte, dass ich keine Zwischenmahlzeiten, keine Süßigkeiten und kleinere Portionen brauchte, machte sich das auch in Bezug auf meine Werte bemerkbar. Ich habe heute weniger Blutzuckerschwankungen und habe meinen Bolus reduziert. Das ist doch schon mal was, oder nicht?
Eine vegane Ernährung klappt bei Diabetes genauso gut, wie bei jedem anderen auch.
Falls ihr zu dem Thema noch Fragen habt, schaut doch auch mal bei Insulea vorbei. Lea lebt schon viel länger vegan als ich!
Eine Sache bleibt aber spannend: Ich habe nicht immer die besten Blutwerte, das hat nichts mit meinem Diabetes zu tun, sondern noch ganz andere Gründe. Denn ich habe leider nicht nur Diabetes, sondern auch noch so ein paar andere Dinge, die dafür sorgen, dass einige Blutwerte von mir immer an der Obergrenze kratzen.
Auch das ist ein Grund, warum ich verschiedene Ernährungsarten ausprobiere.
Ende Februar habe ich wieder einen Termin bei meiner Diabetologin und ich bin gespannt, ob sich die Ernährung bei den anderen Werten bemerkbar macht.
Fazit

Wie ihr sicherlich schon an meiner Formulierung gemerkt habt, ernähren wir uns nach wie vor vegan – obwohl Weihnachten längst vorbei ist. Uns beiden gefällt es einfach so gut – und wir fühlen uns so gut, dass wir das Experiment ausgeweitet haben. Wir ernähren uns weiterhin vegan bis wir keine Lust mehr haben. Also vielleicht auch für immer, weil es uns immer mehr überzeugt. Das wird die Zeit zeigen.
Ich kann euch auf jeden Fall sagen, dass eine vegane Ernährung wirklich lecker und abwechslungsreich ist. Man beschäftigt sich mehr mit sich selbst, seinem Essen und auch der Umwelt und das schadet wirklich niemanden.
Käse und Fleisch vermisse ich eigentlich gar nicht. Trotzdem gibt es hin und wieder Ersatzprodukte, wenn wir darauf Lust haben. Im Alltag ist das für uns aber kein Muss.
Preislich gibt es Produkte, die natürlich höher liegen, aber auf die ist man nicht unbedingt angewiesen.
Ich kann so einen veganen Tag in der Woche wirklich nur jedem empfehlen. Es ist so spannend, was man alles mit Lebensmitteln anfangen kann, von dem man vorher gar nichts weiß.
Ich möchte niemanden bekehren oder von etwas überzeugen. Ich finde, dass ist jedem selbst überlassen.

Da meine Frau (damals Freundin), als ich sie kennengelernt hatte, ebenfalls Veganerin war, habe ich das mal eine Weile ausprobiert. – Meine Werte haben sich auch kaum verändert, das kann ich unterstreichen. Aber ich bekam regelmäßig Hunger, egal wann, ich hätte immer und immerzu essen können. Vor allem der Käse und die Milchprodukte haben mir gefehlt. Das ist aber ausschließlich meines schwachen Durchhaltevermögen zuzuschreiben. Mit der Zeit habe ich dann auch wieder Fleisch gegessen, als ich mit meiner Frau in Irland war, hat sie dann auch mal Irish-Beef probiert und war dann auch wieder weg von der Idee, hat aber 2-3 Jahre „rein-vegan“ (also auch keine Kleidung, Schminke, etc…) durchgehalten.
Interessant ist, dass ich nach wie vor immer noch gerne Gemüse, Obst und Salate mit ins Essen einbringe, weswegen sich meine BE-Menge in der Woche trotzdem etwas reduziert hat. – Nicht missverstehen, ich esse nach wie vor meine üblichen BEs zu den Hauptmahlzeiten, aber aufgrund von Fleisch, Käse, Gemüse und Salat, bleibe ich länger satt. (vorher hatte ich sehr viel Fleisch und sehr wenig Gemüse konsumiert), weswegen ich in der Woche auf viele Nasch-BEs wie Chips, Säfte/Eistee, Schoki, Kuchen und Ziwschen-Sandwiches, verzichten kann.
Trotzdem achte ich inzwischen auch darauf, woher das Fleisch kommt und setze ich aktiv für bessere Haltungsbedingungen von Tieren ein.
Ich hatte also nach bereits 3 Monaten wieder aufgegeben, aber prinzipiell spricht nichts gegen eine vegane Ernährung, auch nicht für Diabetiker.
PS: Ab und zu muss man – wenn man sein eigenes Seitan herstellt – aufpassen, dass man es wirklich gründlich macht, da man sonst eventuell einige unbemerkte BEs im Seitan stecken hat. Aber zum Glück gibt es das bereits fertiges Seitan-Pulver, aber auch hier kann es zu Unterschieden kommen. Zwischen 4-18g Kohlehydrate je 100g Pulver habe ich bereits gesehen. Mein eigenes hatte ich entsprechend ausgewaschen und kam beim fertigen Teig auf etwa 20%, was aber in Pulverform ca. 40g/100g wären, leider hat das immer sehr variiert, je nachdem, wie gründlich ich war und wie viel Muse ich noch hatte. 😉
PPS: Etwas Rauchsalz, BBQ-Würze oder Liquid-Smoker (US-Produkt) in den Teig mit hineinkneten und dann die finale Form (Steak, Hack/Paddy/Bulette, Würstchen, Schinkenwürfel) eine Nacht in den Gefrierschrank, bevor man die Dinger in die Pfanne wirft. -> Dann erhält man ein wirklich leckeres Ergebnis, dass auch Nicht-Veganer überzeugt, wenn sie es überhaupt merken.
Lisa <3 🙂
Ich habe ebenfalls Typ 1 und lebe genauso lange vegan- nun schon vier Jahre. Auch das Thema "Essstörung kenne ich nur zu gut, allerdings begleiten mich diese schon viel, viel länger.
Ich freue mich sehr über deinen Beitrag und die Informationen, die du mit eingebaut hast.
Alles Liebe!
Maria