* Ich habe mich zu keiner Zeit in Lebensgefahr befunden. Es wurde schnell und richtig gehandelt. Bitte unterschätze nie die Auswirkungen von Alkohol auf deinen Blutzucker!
Es war ein wirklich schöner und ausgelassener Abend. Ich habe meine Lieblingslieder lautstark mitgesungen und mir dabei die Seele aus dem Leib getanzt. Wir haben zusammengesessen, über Gott und die Welt philosophiert und so viel gelacht, dass mir der Bauch wehtat. Ein wunderbarer Abend, wie ich ihn nur zu gerne erlebe.
Dazu gab es Weißwein, trocken und eiskalt natürlich! Wie das bei mir so ist, reichten zwei Gläser, damit ich gut angeheitert bin. Aber, wie es ebenfalls bei mir ist: blieb es nicht bei zwei Gläsern Wein.
Als der Abend fortgeschritten war und meine Euphorie langsam in Müdigkeit umschlug, entschlossen wir ins Bett zu gehen. Betrunken, aber glückselig stolperte ich ins Badezimmer, um mich bettfertig zu machen. Danach torkelte ich ins Schlafzimmer und fing an, meinen Weinkonsum etwas zu bereuen: „Ich hätte doch ein paar Gläser vorher aufhören sollen, mir ist ein bisschen übel.“
Wie ein betrunkenes Kleinkind…

Behutsam legte ich mich ins Bett. Alles drehte sich, aber ich war zufrieden. Endlich im warmen und weichen Bett. Wie ein betrunkenes Baby schlief ich nur Sekunden später ein.
Plötzlich schrillte der Alarm vom Decxom los. Ich war noch immer relativ unfähig mich zu bewegen, schnaufte einmal laut und drehte mich wieder um. Mein Freund hingegen sprang auf und warf einen Blick auf mein Handy. „Du bist ganz schön am Fallen gerade, ich denke du musst etwas trinken!“
„Ich will nicht!“ protestierte ich und zog mir die Decke über den Kopf. Wenig später stand mein Freund mit einer Capri-Sonne am Bett. „Na los, trink schon!“
Widerwillig drehte ich mich um und setze mich auf. Nur, um sofort festzustellen, dass mir der Wein gerade gar nicht gut bekam und mir übel wurde: „Ich kann das nicht trinken, mir ist schlecht.“ kam es patzig aus mir raus.
„Wieso fällst du denn auch so heftig?“ Zusammen sahen wir uns meine Glukosekurve auf dem Handy an. Zuerst lag mein Wert stabil bei über 200 mg/dl. So wie ich ihn haben möchte, wenn ich Alkohol trinke. Doch schon kurz nach dem wir uns ins Bett gelegt hatten, rauschte meine Kurve fast im 90° – Winkel nach unten ab.
Ich ließ mich erschöpft ins Bett fallen „keine Ahnung was das soll!“ Mein Freund war etwas mehr bei Verstand und griff direkt nach meiner Pumpe: „Hier steht, dass du fünf Einheiten aktiv hast. WIESO?“
Ich bekam einfach nichts runter

„WAS? Ich – ich habe keine Ahnung! Warum sollte ich fünf Einheiten spritzen?!“
„Na, ist jetzt erstmal egal. Sie sind aktiv und du musst das jetzt dringend trinken!“
Wieder hielt er mir die Capri-Sonne vors Gesicht und mir wurde schlecht. „Es geht einfach nicht, ich kann nicht!“
Peter flitze durch die Wohnung und brachte alles mit großem und schnellem Zuckergehalt ans Bett. Gummibären. Davon bekam ich ein paar runter, aber nicht viele. Ich war ein quengelndes Kleinkind, das zu allem Überfluss auch noch betrunken war. Mein Freund tat mir leid. Ich spürte, wie er immer hektischer wurde, aber ich konnte nicht aus meiner Haut. Ich bekam einfach nichts runter.
„Wenn du das jetzt nicht trinkst, rufe ich den Krankenwagen!“ Peter stand in der Tür, in der einen Hand mein Handy mit der Glukosekurve, in der anderen Hand das Festnetztelefon.
„Ok, ok“, ich hielt mir die Nase zu und schüttete den Saft so schnell es ging die Kehle hinunter. Dann wartete ich, ob der Saft im Magen bleiben würde. Er blieb und ich ließ mich zurück ins Bett fallen. Schnell schlief ich wieder ein. Mein Freund stattdessen stellte sich mehrere Wecker, um ab und zu nach meinen Werten zu sehen.
Der Morgen danach

Am nächsten Morgen war ich ganz voller Reue. Ich entschuldigte mich fast stündlich für mein mieses Benehmen am Vorabend, ich machte alles für Peter, um ihn zu zeigen, wie dankbar ich war. Wie unheimlich leid mir das alles tat und das er von mir immer alles zurückbekommen würde, was er für mich tut.
Trotzdem grübelten wir beide darüber nach, warum ich zum Schlafengehen fünf Einheiten aktiv hatte. Zum Glück speichert die Pumpe alles und wir konnten den Abend rekonstruieren.
Was soll ich euch sagen?
So wie es aussieht, ist die Sache klar: Offensichtlich habe ich, als ich im Badezimmer war, um mich bettfertig zu machen, an meiner Pumpe herumgespielt und darauf herumgedrückt. Dabei muss ich fünf Einheiten abgegeben haben.
Zuerst war ich am meisten darüber schockiert, wie ich mich angetrunken verhalten hatte. Jetzt war ich viel mehr davon schockiert, was ich anscheinend im betrunkenen Kopf an meiner Pumpe gemacht hatte. Das ich selbst der Risikofaktor war, machte mir am meisten Angst. Wie sollte ich Anderen und der Technik vertrauen, wenn ich nicht mal mir selbst vertrauen konnte? Es dauert einige Zeit, bis ich mich wieder an Alkohol heranwagte und dann auch nur vorsichtig. Aber verbieten oder einschränken lasse ich mich von meinem Diabetes nicht, sorry. Das ich etwas vorsichtiger sein und mehr auf mich selbst achten muss, ist mir bewusst geworden. Natürlich kann man mit Diabetes Alkohol trinken. Da der Alkohol den Blutzucker aber zuerst anstiegen und am Ende rapid fallen lässt, muss sich jeder klar sein, dass Alkoholkonsum bei Diabetes etwas mehr Aufmerksamkeit & Vorsicht erfordert als vielleicht bei Stoffwechselgesunden.



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